Im Fernbus von A nach B

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Spätestens seit dem letzten Bahnstreik haben viele alternativ  das Reisen mit dem Fernbus entdeckt – günstiger als die Bahn, auf manchen Strecken mitunter genauso schnell sowie erheblich bequemer, als selbst mit dem PKW zu reisen und in mancher Dauerbaustellen mal wieder im Stau zu stehen.  Seit Anfang des Jahres nutze ich selbst den „MeinFernbus“ auf den Strecken Hamburg-Bremen und Hamburg-Hannover regelmäßig.

Ganz einfach:  Handhabung und Buchung

Schaut  man zum ersten Mal auf die Seite von „MeinFernbus“ und experimentiert ein bisschen mit Abfahrts- und Ankunftszielen, ist man erstaunt über die Vielfalt der angebotenen Reiseziele – von Delmenhorst  bis Pirmasens ist alles dabei, ins Ausland geht es sogar u.a. nach Brüssel, Mailand, Zürich oder Kopenhagen. Nicht von jeder Stadt aus erreicht man direkt das Ziel, was man sich vorgestellt hat, kann aber Dank der guten Linienverbindungen zunächst von A nach B fahren und dort umsteigen, um nach C zu gelangen. Auf der Buchungsseite wird der gewünschte Abfahrtsort mit Reisedatum eingegeben – ggf. auch die Daten für eine Rückfahrt – und schon wird aufgezeigt, wohin das Reisen von diesem Standort aus möglich ist. Nun nur noch die verfügbare Uhrzeit auswählen und anklicken. Die ausgewählten Plätze landen automatisch im Warenkorb; eine einfache Fahrt ist bereits ab sagenhaften € 5,– zu haben, ins Ausland wird es entsprechend teurer. Schwerbehinderte erhalten eine Ermäßigung bei vorheriger Vorlage des Behindertenausweises per Mail.  Zahlen kann man mit EC-Karte, VISA, Mastercard und über PayPal. Die Angabe der eigenen E-Mail-Adresse garantiert Benachrichtigung über möglicherweise auftretende Schwierigkeiten, die die Reise verzögern oder behindern könnten. Per SMS wird man über Verspätungen informiert. Das Ticket kann man selbst ausdrucken oder auf dem Handy belassen, beides kann vom Busfahrer abgescannt werden.

Jaaa! Gleich geht die Reise los!

Jaaa! Gleich geht die Reise los!

Wie erkenne ich meinen Bus?  Gibt es Sitzplatzreservierung?

In der Regel präsentiert sich die „MeinFernbus“-Fahrzeugflotte in einem schicken hellgrün; seit  Anfang des Jahres 2015 haben sich „MeinFernbus“ und „Flixbus“ zusammengetan; ab August 2015 soll es ein noch größeres Liniennetz mit neuen Direktverbindungen und noch mehr Anschlussmöglichkeiten geben. Daher kann es sich bei Eurem Bus auch mal um einen weißen Flix-Bus handeln oder aber um einen ganz anderen, wenn ein Subunternehmer fährt. Grundsätzlich steht auf dem Ticket eine Linienangabe und das Endziel, z.B. „079 Jena“. Genau so wird es an den Abfahrbuchten ausgeschrieben, zudem kann man sich an der angegebenen Abfahrzeit orientieren, in der Windschutzscheibe des Busses findet sich ein Schild mit Angabe des Endziels. Ist man sich immer noch unsicher, gibt der freundliche Busfahrer Auskunft. Jede Busgesellschaft hat ihre eigenen und ständigen Abfahrbuchten, sprich der „ADAC-Postbus“ fährt von ganz woanders ab als „MeinFernbus“. Hält man sich in der Nähe der ausgeschriebenen Buchten auf, kann man den Bus auf keinen Fall verpassen.

Pro Person ist ein Stück Handgepäck sowie ein Stück Reisegepäck im Preis enthalten. Es gibt keine Sitzplatzreservierung, sondern freie Platzwahl. Kleiner Tipp: Sobald zu erkennen ist, dass nur ein Busfahrer an Bord ist, sollte man sich in die Reihe der Leute mit Gepäck einreihen, denn beim Verstauen desselben werden deren Tickets zuerst gescannt. Diejenigen ohne Gepäck, die brav vorne an der Tür warten, steigen demzufolge als Letzte in den Bus und müssen mit den Plätzen vorlieb nehmen, die noch übrig sind.

An Bord! Was erwartet mich dort?

Gerade in den frühen Morgenstunden hat man oft das Glück, einen Doppelplatz ganz für sich zu haben – das macht das Reisen umso komfortabler. Wenn nicht, gibt es außen am Sitz einen Knopf, mit dessen Hilfe man beide Sitze etwas auseinander ziehen und so den persönlichen Freiraum vergrößern kann. Die Sitze an und für sich sind recht bequem, die Rückenlehne ist verstellbar. Die Ausstattung der Busse scheint momentan noch unterschiedlich zu sein: Die original „MeinFernbus“-Busse verfügen über eine Senseo-Kaffeemaschine, Milch, Zucker sowie einer kleinen Auswahl an Getränken und Süßigkeiten; gezahlt wird auf Vertrauensbasis in eine Kasse, die Preise sind ähnlich wie im Flugzeug den Bordkarten im Netz des Vordersitzes zu entnehmen. Steckdosen befinden sich entweder kopfwärts über jedem Sitz oder aber in jeder zweiten Sitzreihe. Zudem ist freies WLAN mit einem kleinen Unterhaltungsprogramm an Filmen und Musik verfügbar; die Anmeldung ist ebenfalls der Bordkarte zu entnehmen. – Wohlgemerkt, diese Ausstattung  ist nicht in allen Bussen zu finden. Eine Bordtoilette gibt es auf jeden Fall!

Pünktlichkeit

Im Großen und Ganzen hält „MeinFernbus“ seine An- und Abfahrtzeiten ein. Gegen einen Stau oder Unfall auf der Strecke kann auch der Busfahrer nichts unternehmen. Kommt er hingegen gut durch, ist man schon mal eine Viertelstunde früher als geplant am Ziel. Zudem gibt es noch die Benachrichtigungsfunktion über grobe Verspätungen via SMS.

Pro und Contra

Das Reisen mit dem Fernbus ist recht entspannt. Im Stau muss man nicht selbst genervt am Steuer sitzen, man muss nicht wie bei der Bahn mit Gepäck umsteigen oder auf den Anschlusszug warten. Die Fahrer sind meistens sehr freundlich, der Preis oft, jedoch nicht immer unschlagbar, das Liniennetz erstaunlich groß. Wenn vorhanden, lässt sich mit dem einen oder anderen Bordfilm die Zeit gut totschlagen. Auf sehr langen Fahrten werden Rastplätze angefahren, damit man sich ein paar Minuten die Beine vertreten kann.

Ein großes Manko sind die Bordtoiletten. Diese funktionieren oftmals im Laufe der Fahrt nicht mehr, da „voll“ oder „technischer Defekt“. Der Schlüssel ist oftmals nur – auch während der Fahrt – beim Fahrer erhältlich und auch wieder abzugeben, weil „die Toiletten dann sauberer bleiben“. Zudem erfordert es auch für normalgewichtige Menschen einiges an Akrobatik, um sich in der SEHR engen Kabine zu drehen und zu wenden. Bei längeren Fahrten ins z.B. Ausland fühlt man sich schon ein bisschen an die Zeiten von „Rainbow Tours“ erinnert, die uns in unserer Jugend in einer Nacht nach Paris gekarrt haben. Hier sollte man vielleicht auf einen preiswerten Flug ausweichen, zumal die Preise unter der Woche dort tatsächlich um einiges günstiger sein können. Zuletzt sei noch gesagt, dass man wie in allen öffentlichen Verkehrsmitteln auch mal Pech mit seinem Sitznachbar haben kann, weil der sich beleidigt zeigt, wenn man nicht bereit ist, den eigenen Kopfhörer mit ihm zu teilen, er vielleicht ein wenig müffelt oder man durch laute Telefonate innerhalb kürzester Zeit bestens über seine Finanzen und den aktuellen Beziehungsstatus informiert wird.  Im Großen und Ganzen jedoch für kürzere Strecken eine absolut empfehlenswerte Reisemöglichkeit – selbst  meine 71jährige Mutter ist begeistert 🙂

 

http://meinfernbus.de/

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