Nostalgie, Nostalgie – Die ZDF-Hitparade

812xOcRsgPL._SL1122_Früher war ja alles besser, und gerne erinnern wir uns an diverse Dinge aus unserer Kindheit. Damals – ja, horcht auf,  Ihr jungen Menschen von heute! – gab es zum Beispiel nur drei Fernsehprogramme, und jede Woche haben wir uns auf Lemmy und die Schmöker, M wie Meikel oder Väter der Klamotte gefreut. Gleich verhält es sich auch mit der „ZDF-Hitparade“.

Seit einiger Zeit wiederholt ZDF Kultur jeden Tag um 07.55 und um 18.35 Uhr Folgen der „ZDF Hitparade“ und lässt mich am frühen Abend auf einer Welle der Nostalgie davontreiben. Hach ja! Cindy& der inzwischen verstorbene Bert mit „Spaniens Gitarren“, Costa Cordalis und seine „Anita“ – unvergessen auch Henry Valentino und Uschi: „ Rada Rada Radadadada – Rada Rada Radadadada…Im Wagen vor mir fährt ein jungen Määädchen…“ Anfang der 70ger Jahre war die Hitparade revolutionär. Die Studioeinrichtung zeigte sich relativ karg, das Intro immer gleich: Passend zur kernigen Eingangsmusik war eine riesige elektronische Anzeige von Datum und Uhrzeit zu sehen, Dieter Thomas Heck eröffnete mit „Samstag, 04. September, 18.45 Uhr und 26 Sekunden! Hier ist zum 26. Mal Berlin, die aktuelle Hitparade!“ Dann folge ein Kameraschwenk über Studio und Publikum, an den Wänden verteilt riesige schwarz-weiß Portraits der Künstler.  Erstaunlich, wie viele Menschen damals ganz offen im Studio zu sehen waren: Kameraleute, die die Einstellungen änderte, Reporter mit Mikrophonen oder Männer, die mit einem Tonbandgerät vor dem Bauch umhergingen.  Dazwischen die Interpreten – zunächst noch ausschließlich aus der Schlagerwelt stammend, in den 80gern dann auch mal einen David Hasselhoff präsentierend – , die oft mitten im Publikum saßen, um dann zu Beginn des Liedes singend aufzustehen und sich durch die Menge zur Bühne zu bewegen. Gesungen wurde immer  live zum Halb-Playback der original Instrumental-Bänder, die ein Tontechniker hinter einem gut sichtbaren Pult abspielte. Männer trugen die damals typischen „Eiertrennhosen“, junge Frauen brachten ihnen verschämt eine rote Rose. Je nach Hübschheitsgrad gab es dann ein Bussi des Interpreten oder auch nicht.  Zum Ende des Titels wurde die Autogrammadresse des Interpreten eingeblendet, die ich aufgeregt und  mühsam in kindlicher Schreibschrift mitgeschrieben habe, weil ich dachte, die Leute wohnen da: „Guck‘ mal, Mama, der wohnt ja auch in München! Ob die sich alle kennen? Kann man da einfach klingeln?“  Aus den in jeder Sendung neu vorgestellten Titeln konnte das Publikum daheim dann per Postkarte seinen Favouriten bestimmen, der das nächste und übernächste  Mal am Ende der Show noch einmal in der Hitparade auftreten konnte; danach war er „dreimal dabei“ und konnte nicht wiedergewählt werden.  Am Ende der Sendung las Heck in halsbrecherischem Tempo den Abspann mit allen an der Produktion Beteiligten vor.

Es war der ideale Samstagabendauftakt in den 70ger Jahren, flankiert von meinem Vater auf dem Sofa mit Schnittchenteller und meiner Mutter im Sessel, die neuste „Funkuhr“ lesend.Genau dieses unbekümmerte Gefühl stellt sich auch heute wieder ein, sehe ich die ZDF-Hitparade. Nostalgie, Nostalgie! Was war das schön, dabei auf dem Bauch liegend im Wohnzimmer herumzulümmeln und sich um nichts Gedanken machen zu müssen. Die Welt war bahamabeige und orange. Würde meine Mutter jetzt noch mit Puddingsuppe um die Ecke kommen, wäre es perfekt.

 

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