Wieder mal: Bestie Mensch

Ich glaube, ein Mensch, der gegen ein treues Tier gleichgültig sein kann, wird gegen seinesgleichen nicht dankbarer sein, und wenn man vor die Wahl gestellt wird, ist es besser, zu empfindsam als zu hart zu sein.

Friedrich der Grosse (1712-1786), König von Preussen

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Üblicherweise sehe ich mir keine Videos an, in denen ein Lebewesen sichtbar leidet und Täter vielleicht sogar noch ihre Freude daran haben. Das kann ich nicht. Die wenigen, die ich sah, sind mir so präsent, als wäre es gestern gewesen.  Hier jedoch handelt es sich um eine junge Hündin aus Rumänien, die gerettet einen Platz im Tierheim bekommen hat. Die Pflegerin bemüht sich, ihr behutsam Streicheleinheiten zukommen zu lassen, doch das vollkommen verängstigte Tier schreit. Es winselt nicht, es jault nicht. Es schreit wie am Spieß. Es schreit um sein Leben, es schreit aus Angst. Was muss diesem Tier passiert sein, dass es so dermaßen traumatisiert ist? Und wer verdammt nochmal ist imstande, ein Tier zu quälen und sich in keinster Weise um diese Schreie zu scheren, sie anscheinend vollkommen zu ignorieren? Das ist das Schlimme: Überall  und zu jeder Zeit auf der Welt, jetzt gerade in diesem Moment, Nachts, wenn wir schlafen, schreien ungezählte Lebewesen aus Angst und Schmerz, weil die Kreatur Mensch ihnen übel mitspielt, aus Abgestumpftheit, aus Langeweile, aus Hass, aus Erziehung, aus Respektlosigkeit und aus der Idiotie, die ihren kleinen Hirnen entspringt. Das muss aufhören. Wenn ich einige Wünsche frei hätte, wäre einer davon genau das. – Diese Pflegerin schafft es jedenfalls, dass die kleine Hündin sich anfassen lässt – und aufhört zu schreien. Ganz klein und ängstlich hockt sie da, mit gedrungener Körperhaltung und eingeklemmten Schwanz. Sie weiß nicht, ob nicht gleich doch wieder etwas Schlimmes passiert. Fast schaut es so aus, als ob sie Schutz bei dieser  Frau sucht, die höchstwahrscheinlich der erste mitfühlende Mensch ist, der diesem Tier begegnet. Es berührt ungemein. Und es hält dazu an, darüber nachzudenken – verstärkt nachzudenken – ob man sich nicht selber ein wenig mehr einbringen kann.

http://www.stern.de/panorama/video/ins-netz-gegangen/tiergeschichten/misshandelte-huendin-wird-zum-ersten-mal-gestreichelt-6631520.html

Wie der Mensch in seiner Vollendung das edelste aller Geschöpfe ist, so ist er, losgerissen von Gesetz und Recht, das schlimmste von allen.

Aristoteles (-384–322), griechischer Philosoph
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